Das Geheimnis der Vergebung

Vergebung ist wohl eines der größten und auch missverständlichsten Mysterien überhaupt. Wieso soll ich vergeben, wenn MIR doch Unrecht widerfahren ist und ICH es bin die/der leidet?

Nun ja, das ist die eine Perspektive, die andere ist, dass gerade ungeheilte Situationen oder Menschen mit denen wir im Groll sind eine großartige Möglichkeit der seelischen Entwicklung darstellen. Wir haben dadurch die wunderbare Chance aus dem Ego der Unversöhnlichkeit, des besser Wissens, des Festhalten an Verletzungen, wie auch aus dem Mangel der fehlenden Selbstliebe auszusteigen.

Denn bin ich bereit zu vergeben, öffne ich mein Herz und lasse Liebe strömen, Liebe die strömt kehrt auch zu mir zurück, aus diesem Grund ist Versöhnung auch ein Akt der Selbstliebe und somit Selbstheilung.

Betrachtet man die Passage aus dem Lukas Evangelium:

„Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.“ Lukas 6, 27-28

Dann ist man schnell geneigt, dies als theologischen oder spirituellen Quatsch abzutun. Lässt man diese Worte aber auf sich wirken und meditiert darüber, erkennt man eine tiefe Wahrheit dahinter.

„LIEBT EURE FEINDE“, ja das klingt zunächst schwierig und gar abstrakt und wer hat schon Feinde? Doch der kritische Blick nach innen lässt sehr schnell erkennen, wo wir unsere gedanklichen Feindbilder aufbauen. Wie oft sehen wir in anderen Menschen Konkurrenten, weil sie mehr haben als wir, mehr an Aufmerksamkeit, Erfolg, mehr an Geld und dergleichen?

Bin ich hier ehrlich zu mir, darf ich erkennen, dass dies nichts Anderes ist, als mein schreiendes Ego das mir vorgaukelt im Mangel zu sein.

„TUT DENEN GUTES, DIE EUCH HASSEN. SEGNET DIE, DIE EUCH VERFLUCHEN, BETET FÜR DIE, DIE EUCH MISSHANDELN.“ Hier wird es gedanklich noch mal eine Stufe krasser und scheint kaum durchführbar zu sein. Es geht auch nicht darum, dass ich jemanden der mir unrecht tut, Blumen schenke oder die Einkäufe erledige, sondern, dass ich anfange etwas zu vergeben.

Die Frage ist nur was? Ein Mensch welcher misshandelt oder grausame Dinge macht, hat wohl eines nicht, nämlich die bewusste Verbindung zu seinem inneren Wesen, zu seinem Gottselbst oder wie auch immer du es nennen will. So ein Mensch ist von Ängsten getrieben und in sich selbst sehr kaputt und unklar. Was braucht dieser Mensch wohl am meisten? Richtig! Nichts, anderes als Liebe, Anerkennung, Wertschätzung und Respekt, damit er sich selbst wieder fühlen und sein inneres Licht erkennen kann.

Gerade hier ist die Chance zur seelischen Entwicklung für jeden gegeben. Kann ich wirklich Liebe geben, bedingungslos frei ohne zu werten?

In erster Linie ist Vergebung ein stiller, innerer Akt. Ich darf mich den Herausforderungen meines eigenen Egos stellen, bin ich WIRKLICH bereit jemanden Liebe zu geben, der es so gar nicht „verdient“ hat? Dabei kann ich, wenn ich kritisch mir gegenüber bin, entdecken, wie viele unliebsame Anteile ich selbst in mir habe, die ebenfalls bedingungsloser, wertfreier Liebe bedürfen.

Hier mein ganz persönliches Beispiel, wie ich Vergebung anwende um in Frieden mit mir selbst oder anderen zu kommen:

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Ich komme in die innere Ruhe und lasse die Worte Frieden und Liebe in mir wirken, bis ich merke, dass sich mein Energiefeld beruhigt, dann fange ich an den Menschen zu segnen.

„Möge alles in dir geheilt sein, dass dich aus deiner Ruhe bringt, mögest du die Liebe und den Frieden spüren. Danke, dass du Menschen mit Liebe, Wertschätzung und Respekt behandelst, so wie du dich auch selbst bedingungslos liebst, wertschätzt und respektierst. Ich segne, das Vertrauen in dich und deinen wunderbaren Weg. Mögest du stets von den Reichtümern Gottes reich beschenkt sein und du dein liebendes Potential sehen. Ich bin so dankbar, dass der Frieden stets in dir ist und deinen Weg in Liebe begleitet. Mögest du gesund und glücklich sein bis ans Ende deiner Tage. Danke, dass du jetzt heil bist in dir. So sei es AMEN.“

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Dies ist ein Akt, der sicherlich nicht immer einfach ist, vor allem dies WIRKLICH aus dem Herzen zu sprechen und fließen zu lassen, doch wie steht’s geschrieben im Matthäus-Evangelium?

„Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzig mal.“ (Matthäus 18, 21-22)

Übung macht eben den Meister!

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